Das Ende des Feuilletons

12 Jan

Kultur versus Feuilleton

Immerhin: in den gedruckten Zeitungen pflegt das Feuilleton noch ein Auskommen. Ein gar stattliches teilweise sogar, wie etwa bei der Süddeutschen Zeitung, die sich nicht zu fein ist, das Feuilleton bereits direkt nach dem Hauptteil einzulegen – und nicht etwa, so wie es alle tun, zuerst den Wirtschafts- und Finanzteil zu zeigen. Die Kultur, so soll das wohl aussehen, die wird bei uns noch hochgehalten. Nun, wie wir seit der Simpsons-Episode vom vergangenen Sonntag wissen sterben die Printmedien. Und damit auch das Feuilleton.

Bleiben wir doch bei der Süddeutschen. Gibt es das Feuilleton in der Online-Ausgabe? Nein. Dort gibt es nur Kultur. Und die ist in der Reihenfolge nicht nur hinter die Politik, sondern auch hinter Wirtschaft und Finanzen gerutscht.

Das gleiche trostlose Bild bietet sich bei der Welt, die in ihrer Printausgabe das Feuilleton so pflegt. Im Zuge der Online-Offensive musste das Wort weichen. Auch hier wieder: Kultur.

Der Spiegel war wenigstens immer so ehrlich, Kultur Kultur zu nennen und macht das selbstverständlich auch online.

Die Frankfurter Rundschau versteckt ihr Feuilleton hinter dem Kulturbegriff. Erst klickt man auf “Kultur & Medien”, dann erst bricht sich das Feuilleton Bahn. Allerdings gleichberechtigt neben Musik, Film, Literatur, Architektur und eben Medien. Wenn es eine weitere Entwertung des Begriffes Feuilleton gebraucht hätte – hier ist sie. Ähnlich verfährt die Zeit, wenn auch nicht ganz so schwammig.

Und das die WAZ mit ihrem Web 2.0-Portal derwesten den Kulturbegriff ganz hoch, und das Feuilleton ganz unten hält, war ja sowieso klar. Schlimmster Sündenfall: Googlenews, die nicht nur das Feuilleton, sondern gleich den Kulturbegriff abgeschafft haben. Dort findet man eine Filmkritik unter der Rubrik Unterhaltung – eingekeilt zwischen “Nachrichten” aus dem Dschungelcamp oder über die No Angels.

Immerhin, bei der FAZ hat das Feuilleton ein Refugium. Natürlich. Vielleicht traut man dort den Lesern noch zu, das sie mal eine Tageszeitung in der Hand hatten oder wissen, was hinter dem Begriff Feuilleton so alles steckt. Der Grund könnte auch darin liegen, das eigentlich jede Untersuchung über Tageszeitungen ergeben hat, dass das Feuilleton so gut wie nicht gelesen wird. Was sehr schade ist, einerseits. Sich andererseits in der Onlinewelt natürlich noch viel genauer nachvollziehen lässt. Deswegen stehen jetzt in den Online-Kulturteilen auch Bildergalerien über das neue Bond-Girl oder über irgendwelche Theaterstücke, in denen sich die Darsteller mal wieder ausziehen und gegenseitig mit Kunstblut beschmieren mussten. Das ist sicher sehr unterhaltend. Feuilletonistisch aber nicht mehr. Was wir daraus schließen können: Heinrich Heine wäre bestimmt kein Online-Journalist geworden. Und in wenigen Jahren werden wir den Begriff Feuilleton nur noch im Französischunterricht kennenlernen. Als das, was es ist: ein Blättchen. Und Blätter gibt’s nicht mehr. Nur noch Klicks, Klicks, Klicks.

3 Responses to “Das Ende des Feuilletons”

  1. Paco 13. Jan, 2008 at 19:54 #

    Ein Hammerbeitrag! Wollte ich selber immer schon mal gemacht haben, aber jetzt steht ja hier schon alles, danke danke danke.

    Dass das Feuilleton bei der SZ an so prominenter Stelle steht, ist ja für viele Kulturmenschen der Grund für SZ statt FAZ. Bei der FAS aber steht das Feuilleton immerhin an dritter Stelle, hinter Sport, aber vor den Wirtschaftsteilen.

    Und bei der Jungle World heißt das ›Feuilleton‹ neuerdings wieder ›Dschungel‹. Das trifft es doch auch gut, oder?

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  1. medienlese.com » Blog Archiv » medienlese - der Wochenrückblick - 13. Jan, 2008

    [...] Netz, Oliver Gehrs sah die Zeitschrift Spiegel Seit an Seit mit dem Energiekonzern Vattenfall. Das Ende des Feuilletons wurde ausgerufen und die Zeitschrift Max [...]

  2. Der Umblätterer » Fäuleton - 10. Mrz, 2010

    [...] Denyo. Eine noch andere Variante geht so, dass man die Feuilletonseiten einfach »KULTUR« [...]

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