Unabhängig. Überparteilich

13 Jun

Seit einigen Tagen pappt auf dieser Seite dann und wann eine Google-Anzeige mit den Worten “Stoppt Gotteslästerung”, die auf eine Seite der Deutschen Vereinigung für eine Christliche Kultur verlinkt, die ich hier nun bewusst nicht verlinke. Dort lässt sich ein Appell an den Bundespräsidenten schicken, auf dass dieser eine Theatervorführung verdamme, in der nackte Menschen das Evangelium nachstellen und sich dabei geißeln – so zumindest die Kurzzusammenfassung der Christen auf das Stück “Messiah Game” der Berliner Compagnie Felix Ruckert, das wohl gerade bei der Theaterbiennale wiederaufgeführt wurde (es stammt aus dem Jahr 2005). Es ist ein Stück, das mal gute, mal weniger gute Kritiken bekommen hat, eigentlich wäre es also nicht wert darüber viele Worte zu verlieren. Aber durch seine Herangehensweise sorgt es wohl stets für Provokationen. Und damit für Aufmerksamkeit. Was darauf schließen lässt: die Deutsche Vereinigung für Christliche Kultur und ihre Aktion “Kinder in Gefahr” ist ein Projekt von Felix Ruckert, um dem eigenen Stück den nötigen Auftrieb zu geben. Dagegen spricht freilich, das auf der Seite der katholischen Fundis zu lesen ist, sie hätten sich bereits 1983 in Frankfurt zusammengefunden, um die “geistigen, sozialen und kulturellen Werte der christlich-abendländischen Kultur und Zivilisation die von einer seit mehr als fünf Jahrhunderte anhaltenden zersetzenden Revolution nach und nach zerstört werden soll” zu schützen. Wie es auch sei: ich distanziere mich hiermit klar von den Inhalten des Ruckert’schen Tanztheaters wie auch der “Kinder in Gefahr”. Und sage: seine Anzeigenkunden kann man sich nicht aussuchen. Aber was tut man nicht alles für rund einen Dollar im Monat.

Foto: flickr/lemoncat1

2 Responses to “Unabhängig. Überparteilich”

  1. Johannes 22. Jul, 2008 at 20:40 #

    Hallo,

    Zu Ihrer Aussage “seine Anzeigenkunden kann man sich nicht aussuchen”: Doch, das geht! (Zumindest wenn Sie Google AdSense meinten).
    Einfach bei google.com/adsense einloggen, auf “Adsense-Setup” klicken und dort die unerwünschte URL in der Kategorie “Filter für Konkurrenzanzeigen” in die Blacklist eintragen.
    Man muss ja für einen Dollar im Monat nicht seinen Ruf riskieren ;)
    Grüße,
    ein Spreeblick-Querschläger ;)

  2. Nils 22. Jul, 2008 at 20:59 #

    ahhh, super. dann mach ich das jetzt mal – herzlichen dank, herr johannes!

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