Gutmenschen

10 Feb

kirche

Es ist ja wahrscheinlich zwecklos, sich aufzuregen, aber die Verwendung des Wortes “Gutmenschen” oder, schlimmer noch, “Gutmenschentum” lässt mich jedesmal leise zusammenzucken. Denn etwas Gutes ist damit stets nicht gemeint. Nein, der Gutmensch ist in den Augen des ihn so Bezeichnenden ein schlechter, ein lächerlicher, ein nerviger Mensch. Anders als das Wort vermuten lässt, ist es eine Beleidigung. Die Gesellschaft für deutsche Sprache hat sich einmal mit der Herkunft dieses Wortes beschäftigt und ist dabei darauf gekommen, dass es wohl noch nicht besonders alt ist. Bekanntgeworden sei es ohnehin erst 1994, so schreiben die Philologen, als das Wörterbuch des Gutmenschen erschien, ein Buch von Klaus Bittermann. Bittermann beschrieb in seinem Blog 2007, was es mit dem Begriff (und seiner Kritik) auf sich hatte: nicht viel. Der Begriff: gemünzt auf die friedensbewegten, politisch korrekten, phrasendreschenden Sozialromantiker. Die Kritik: Nietzsche, Nazis, Evelyn Finger. Wobei letztere die Frage stellt, die ich mir auch stelle. Was ist eigentlich schlimm daran, Ideale zu haben, Frieden zu fordern oder für Windkraftwerke zu beten? Gut, man kann das alles lächerlich finden und sagen: haha, Sie sind ein Gutmensch. Doch erstens hört sich das Wort, seien wir ehrlich, eher an, als ob es aus dem Mund eines grammatikgeschwächten Gemüsehändlers kommt, dem wir bedeuteten das Restgeld zu behalten. Und zweitens: wäre das Gegenteil von Gutmenschentum nicht Schlechtmenschentum? Und wäre das dann etwas Gutes? Dann wünsche ich allen Gutmenschen noch einen schlechten Tag!

One Response to “Gutmenschen”

  1. jens 01. Mrz, 2009 at 17:22 #

    “für Windkraftwerke zu beten”
    Wer was verändern will muss dafür kämpfen oder wann hat beten irgendwas bewirkt?

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