Geheimnisse
25 Jan
Im Internet, so sagt man, gibt es keine Geheimnisse mehr. Jeder, der etwas auf sich hält, breitet sein Privatleben auf Plattformen wie mySpace, StudiVZ oder facebook aus, Bilder werden veröffentlicht, Beziehungen diskutiert, Drogengebrauch öffentlich zur Schau gestellt. Kurz gesagt: die jungen Menschen sind verrückt, sie denken, online hätten sie Freunde, denen sie alles erzählen könnten und wer am meisten erzählt, der bekommt auch am meisten Freunde und sehen können es dann alle, auch die, die keine Freunde sind und niemals sein werden. Das ist natürlich alles übertrieben, denn Geheimnisse haben auch im Internet ihren Platz. Zum Beispiel auf der Seite PostSecret, auf der anonym eingesandte Postkarten gezeigt werden. Intime Geheimnisse (“I fantasize about my daughter’s boyfriend when I masturbate. Does that make me a bad mother?”), harmlose Geheimnisse (“My family never hugs”), lustige Geheimnisse (“Right before I close the door I yell, ‘Pizza’s here’ into my empty apartment, so the delivery guy doesn’t think ALL that pizza is for me”). Es ist alles da. Eine deutsche Version gibt’s auch, doch die ist lahm. Mittlerweile sind sogar bereits vier Bücher mit PostSecrets erschienen. Ob man das dann noch Geheimnis nennen kann?

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