Die neue taz
Inhaltlich ist die tageszeitung schon lange eine ganz normale Zeitung. Agenturmeldungen in den Randspalten, namentlich gekennzeichnete Artikel in der Mitte, Hintergrundstücke und Reportagen, zwei Seiten Kommentare, Sport, politisch irgendwie leicht links der Mitte und manchmal mit leichtem Wehmut an frühere Zeiten, was ja auch nicht ungewöhnlich ist, wenn man gerade 30 geworden ist. Nun also ein neues Layout, in das einige unbezahlte Überstunden geflossen sein dürften; ein Layout, das beim Guardian abgeschaut worden sein soll, in Wahrheit aber irgendwie Rundschauesk rüberkommt. Aufgeräumt, seriös, tausendmal gesehen. 2,30 Euro kostet die Samstagsausgabe, da muss man am Kiosk nochmal im Portemonnaie kramen, um nachzulegen. Bekommt aber farbige Seiten und eine Sonntagsbeilage mit dem kindischen Namen sonntaz, die aber wirklich gut ist. Wie ein Magazin eben, nur auf billigem Zeitungspapier gedruckt. Achso, das mit der Rundschau: irgendwie dann doch komisch, dass FAZ und der Axel-Springer-Verlag jeweils eine ganze Seite mit Glückwünschen gebucht haben, die pseudolinke Konkurrenz aber nicht. Der fehlt wahrscheinlich die Kohle. Aber Springer hat auch so den besten Spruch: “Ist es nicht schön, ein Alter erreicht zu haben, in dem man Cocktails trinkt, anstatt sie zu werfen?” steht in der Anzeige. So ist es.
Jetzt müsste die taz neben unterbezahlten Mitarbeitern nur auch noch Ein-Euro-Jobber als Botenjungen beschäftigen und das Abonnement wäre abgeschlossen, denn mal ehrlich: Postversand im Rhein-Main-Gebiet? Die Nachrichten von gestern würde man doch ganz gerne nicht erst am Abend erfahren. Obwohl man dann natürlich einen Cocktail zur Lektüre trinken könnte. Cin cin!
