Die 64er-Generation

15 Nov

64erIch schwelge gerade in Erinnerungen. Der Grund ist ganz einfach: ein junger Mensch hat die erste Ausgabe der Zeitschrift 64er eingescannt und auf seiner Seite verfügbar gemacht. Diese erste Ausgabe hatte ich auch mal. Mein Onkel hatte sie mir zusammen mit dem dazugehörigen Commodore 64 mitgebracht. Wenn es irgendwann dazu kommt, dass man unsere Generation labeln muss, dann bitte als 64er – zumindest die männliche Hälfte. Mein C64 steht immer noch in meinem alten Kinderzimmer unter dem Bett, vor Jahren hab ich ihn nochmal ausgekramt als ich meine Eltern besucht. Er funktionierte einwandfrei, nur etliche der Disketten hatten ihren Geist aufgegeben. Auch damals: Erinnerungsfluten. Denn vor dem C64 habe ich gefühlt die Hälfte meiner Kindheit verbracht. Ich habe nach Schule Freunde mit nach Hause gebracht und wir haben Pirates gespielt, Bubble Bobble oder GI Joe, manchmal auch verbotenerweise Commando Lybia. Aus der oben genannten Zeitschrift habe ich Listings abgetippt, das waren seitenlange Programmcodes, aus denen dann ein Kalender entstehen konnte, oder Fraktalgrafiken oder auch gar nichts, weil man irgendwo mittendrin einen Zahlendreher hatte. In den späteren Ausgaben wurde es noch schwieriger, da galt es unverständliche Zahlenreihen abzutippen, die ein spezielles Programm dann in Code umwandelte – es war eine stupide Aufgabe, reiner Fleiß und ich bewies darin manchmal mehr Verve als bei meinen Schulaufgaben. Bevor ich den C64 besaß, hatte ich einen Atari 400. Er hatte keine richtige Tastatur, weswegen das mit dem Programmieren irgendwie flach fiel, doch dafür konnte man oben Cartridges reinstecken, auf denen Spiele wie PacMan oder Space Invaders waren. Der Atari sah so aus:
atari400
… und als mein Onkel ihn in einem Pappkarton aus seinem Auto holte, habe ich ihn ernsthaft gefragt, warum er mir Dachziegel mitgebracht hatte. Es waren, aus heutige Sicht, die spaßigsten Dachziegel mit denen ich je zu tun hatte. Den C64 hatte ich, glaube ich, bis ich 16 war. Danach bin ich direkt auf einen Pentium60 von EsCom umgestiegen, der etwa 10 Kilo wog und in einer einen Meter hohen Metallkiste vor sich hinbrummte und statt einem Fernseher einen Monitor benötigte. Es war nicht mehr ganz das gleiche. Zeit konnte man aber immer noch prima damit vergeuden. Alles in allem kann man sagen, dass ich wegen dieser Zeit vom Computerspielen geheilt bin. Ich habe genug für mein ganzes Leben gespielt. Aber ich denke immer noch gerne an die Zeit zurück – und kann es immer noch nicht ganz fassen. Cooler als die 68er, das muss man zugeben, waren wir auf jeden Fall.

via nerdcore

6 Responses to “Die 64er-Generation”

  1. Venden 16. Nov, 2008 at 23:01 #

    Damals habe ich Samstags und Sonntags Prospekte ausgetragen um mir einen Commodore 128 zu kaufen – aber zum Glück griffen mir meine Eltern unter die Arme, so dass nach ein paar Monaten ich vor dem Computer saß anstatt Prospekte auszuteilen…

  2. Nils 16. Nov, 2008 at 23:29 #

    der c128 war ja auch purer luxus!

  3. JeriC 17. Nov, 2008 at 13:00 #

    Ich hatte sogar den C128D – den bekam ich aber erst 1994 iirc und hatte ihn bis 2001, also als die goldenen Zeiten schon lange vorbei waren.

  4. Harry Ille 24. Nov, 2008 at 16:53 #

    Bei Dir war’s auch der Onkel, der Dich “angefixt” hat? Bei mir auch… http://www.harry-ille.de/wordpress/2007/10/12/hightech-macht-nostalgisch/

  5. Venden 29. Nov, 2008 at 21:44 #

    JeriC,

    genau so einen hatte ich auch :)

    Ich bin mir nicht mehr ganz sicher, aber stand auf dem 128er nicht schon das PC drauf?

  6. Nils 01. Dez, 2008 at 00:39 #

    da stand “personal computer” drauf – genau wie übrigens beim c64-II, den ich mir kaufte, als jemand über das althergebrachte modell (typ “brotkasten”) flüssigkeit verschüttet hatte…

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