Audrey Hepburn

29 Apr

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“You’ve got to learn to like yourself a little more”, soll Cary Grant zu seiner Kollegin auf dem Set von Charade gesagt haben. Grant war da ein fast 60-jähriger Mann, der sein Hemd in einer Szene im Bad anbehalten sollte, weil man seinen nicht mehr gerade ebenmäßig geformter Körper dem Publikum vorenthalten wollte. Aber es stimmte ja, was er sagte: in Sachen Selbstbildnis konnte die 27 Jahre jüngere Audrey Hepburn noch einiges von diesem Haudegen lernen. Das Bild, das die Öffentlichkeit von ihr hatte, war hingegen schon längst gefestigt, als Charade 1963 in die Kinos kam. Zehn Jahre zuvor hatte sie bereits für ihre Hauptrolle in William Wylers Roman Holiday einen Oscar bekommen. Der zweite folgte auf dem Fuße für den wunderbaren Streifen Sabrina von Billy Wilder (, in dem sie Piafs La vie en rose singt). Magazine wie Time heben Miss Hepburn aufs Titelblatt, Romanzen mit ihrem Filmpartner Gregory Peck werden ihr nachgesagt (, was sie charmant verneint), kurzum: sie ist ein Star. Und dabei so ganz anders als die anderen Stars. Sie ist schlank und jungenhaft, trägt ihre Haare kurz, ist brünett, nicht blond, die Anti-Marilyn, dabei stilbewusst, eine Mode-Ikone, die bis in die heutige Zeit hineinwirkt und deren Bild unverrückbar mit Breakfast at Tiffany’s verwoben ist; in der Romanvorlage von Truman Capote heißt es an einer (besonders schönen) Stelle:

Sie war immer noch auf der Treppe, erreichte jetzt den Absatz, und die kunterbunten Farben ihrer Jungshaare, goldbraune Strähnen, weißblonde und gelbe Streifen, leuchteten im Licht der Treppenlampe. Es war ein warmer Abend, beinahe Sommer, und sie trug ein enges, schlichtes schwarzes Kleid, schwarze Sandaletten und eine breite Perlenkette, die ihren Hals wie ein Reif umschloss. Bei all ihrer schicken Magerkeit strahlte sie eine Haferflocken-Gesundheit aus, eine Seifen- und Zitronen-Reinlichkeit, und auf ihren Wangen lag eine raue Röte. Sie hatte einen großen Mund und eine Stupsnase. Eine Sonnenbrille verbarg ihre Augen. Es war ein Gesicht, das nicht mehr ganz in der Kindheit zu Hause war und schon einer Frau gehörte.

Es könnte eine Beschreibung von Audrey Hepburn sein, doch diese Rolle verlangte ihr, der Nachdenklichen, eine Menge ab: “I’m an introvert anyway”, sagt sie der New York Times. “Playing the extroverted girl in Breakfast at Tiffany’s was the hardest thing I ever did.” Ironischerweise verlangte Capote selbst nach der Monroe – und ärgerte sich schließlich über die Wahl des Regisseurs ebenso wie über die recht freie Umgangsweise mit der Romanvorlage, die – das würde man heute wahrscheinlich gar nicht anders machen – das offene Ende zu einem glücklichen verbiegt. Doch denkt man zuerst an eben diesen Film. Und wenn man das Buch liest, denkt man an Hepburn. Und wenn man an sie denkt, lächelt man verliebt in sich hinein.

Am 4. Mai wäre sie achtzig Jahre alt geworden. Im Fernsehen kann man sich am 3. Mai um 0.05 Charade in der ARD anschauen. Das ist eine doofe Uhrzeit. Besser also den Weg ins Frankfurter Filmmuseum antreten, dort werden vom 2. Mai an Breakfast at Tiffany’s, Roman Holiday, Sabrina, Love in the Afternoon, The Nun’s Story, Funny Face, My Fair Lady, Wait Until Dark, Always, The Unforgiven, War and Peace und Charade gezeigt. Was will man mehr?

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