Frost/Nixon
24 Feb

Ein bisschen Vorwissen ist schon gefragt, naja, zumindest Watergate sollte man schon mal gehört haben. Dann aber kann es losgehen: 122 Minuten amerikanische Politik, die nicht langweilig wird, obwohl es die Originalinterviews wohl waren, aber meine Güte: die tagelang andauernden Gespräche zwischen britischem, nunja: eher Moderator als Reporter und amerikanischem, nunja: eher Verbrecher als Präsidenten, wurden im Fernsehen in viermal 90 MInuten gezeigt, dass da viel heiße Luft dabei sein musste ist irgendwie logisch. Der Film widmet sich nicht nur akribisch den Interviews, sondern auch den Vorbereitungen. Denn Frost hat Probleme mit seinen Unterhaltungsshows in Australien und anderswo. Nixon ist erstaunt über das viele Geld, dass ihm der gewiefte Frost bietet, der dieses aber erst einmal auftreiben muss. Was bei einem dann doch recht extravaganten Lebensstil nicht unbedingt einfach ist, besonders wenn potentielle Finanziers nicht glauben, dass dieser Luftikuss gegen Nixon wirklich was reißen kann. Nixon selbst glaubt es wohl auch nicht, was ihm schließlich in einer wunderbaren Szene zum Verhängnis wird. Gedreht hat Regisseur Ron Howard diesen Film in einer Mischung aus Zeitdokument und Fiktion – und die Tatsache, dass der stoffelige Nixon einem irgendwie dann doch ein wenig sympathisch ist und der Engländer nicht so wirklich und sich das alles im Film schließlich dreht und dabei so geschickt, dass man es glaubt, das ist die wirkliche Leistung eines Films, über dessen Ausgang und Thema man schon das meiste weiß. Dass die Schauspieler bis in die Nebenrollen hinein fantastisch sind: nur ein Grund mehr, den Film nicht zu verpassen.


Nach Jahren wieder mal De:Bug gelesen, das “Magazin für elektronische Lebensaspekte”. Sich sofort zurückversetzt gefühlt in eine Zeit in der Techno irgendwie cool war und seitenweise DJ-Kopfhörertests-Lesen zum guten Ton gehörte. Gehörte es aber nie. Die Zeitschrift setzt viel bei ihren Lesern voraus. Technisches Fachwissen, Toleranz gegenüber Rechtschreibfehlern und einem Überangebot an recht unnützen englischen Wörtern (“Digital-Only-Labels” etc.). Die Texte sind umständlich geschrieben. Der Jahresrückblick unter Einnahme härterer Drogen verfasst (vermutlich LSD o.ä.). Das Titelstück über den Niedergang des Vinyls im Bereich der Clubkultur: umfassend, streckenweise redundant, doch insgesamt ziemlich erhellend, vielleicht besonders wenn man sich lange nicht mehr mit dem Thema befasst hat. Die Jahrescharts: ziemlich mutig, die Leser für ihre Wahlen der Produkte, Labels, DJs und tausenderlei anderer Dinge je fertig zu machen oder zu loben wie Hundewelpen. Seltsam zu lesen: ein Autor behauptet, sein Leben befinde sich auf einer Festplatte von Western Digital. Auch sonst: alles so fremd hier. Die Plattenkritiken: wie damals in der Groove. Immer noch unbegreiflich wie man über die zwanzigmillionste Minimal-House-Scheibe so viele Wörter verlieren kann. Meine Vermutung ist ja: die drucken das nur, damit sie weiterhin Promos geschickt bekommen. Wird aber wohl auch immer schwieriger (siehe: Niedergang des Vinyls). De:Bug-Lesen, das ist wie eine Reise ins Paralleluniversum, das nur bedingt Verknüpfungen zur Realität aufweist. Also eigentlich wie RTL-2-Gucken nur eben auf der anderen Seite der Intellektualitätsskala.