Monatsarchiv für Oktober 2008

 
 

Retro-chic

Durch den ganzen modernen, elektronischen Schnickschnack, erfreut man sich doch immer mehr an den guten, alten Dingen. Nein, das soll jetzt keine Werbung für den Manufactum-Katalog werden. Aber für eine kleine Software, die sich Poladroid nennt. Der Name sagt es schon: das kleine Schmuckstückchen für Macintosh-Computer zaubert aus regulären Digitalfotos polaroidige Digitalfotos. Ein Beispiel.

Vorher

Nachher

Nicht schlecht, oder? Kann natürlich nicht mit dem Charme einer echten Polaroid mithalten und schon gar nicht mit den Schnappschüssen und dem anschließenden Wedeln und Warten bis sich das Stück Wunderpapier entwickelt hat. Doch immerhin: auch bei Poladroid dauert es etliche Minuten, bis das Bild “entwickelt” ist. Solch Langsamkeit ist im Computerzeitalter schon wieder Luxus. Der andere Vorteil ist natürlich, dass man wie stets mit der Taschendigi den Schnappschuss machen kann, was heute ja nicht weiter auffällt. Ganz im Gegensatz zu einer Polaroid, die fast ähnlich ungläubige Blicke auf sich zieht wie ein Straßenkreuzer aus den 50er-Jahren oder zylindertragende Männer oder Frauen mit Betonfrisuren. Das gilt auch für alte, also analoge Kameras. Die Leica M3 zum Beispiel war einst ein Garant für unauffälliges Fotografieren. Kein Blinken, kein Blitzen, nur ein leichtes Schnappgeräusch und leises Schnalzen. Ich hab mir jetzt mal wieder so einen Schwarz-Weiß-Film für die Leica meines Vaters gekauft, die kosten übrigens mittlerweile 3,50 Euro, was ich schon recht teuer fand. Doch noch erstaunlicher war: unauffälliges Bildermachen ist passé, man wird sogar angesprochen. Jeder Teenie kann in der S-Bahn jungen Frauen hinterherfilmen, ohne dass es einen Aufruhr gäbe, aber wehe, jemand kommt mit einem Gerät aus dem letzten Jahrhundert daher. So lange ist die Zeit der Analogfotografie doch nun weißgott nicht her! Also doch lieber Poladroid.

via Lifehacker

10 Mittel gegen Herbsttraurigkeit

1. Nach getaner Arbeit lange spazierengehen. Egal wie das Wetter ist.
2. Wenn alle lachen, einfach mal mitlachen.
3. Filme schauen. Dabei Wim Wenders meiden.
4. Kerzen anzünden, Tee mit Vanillegeschmack kochen, Tim und Struppi lesen.
5. The Daily Show with Jon Stewart schauen:

6. Baden.
7. Eine Tafel Milka-Kuhflecken-Schokolade essen.
8. Morgens vor dem Spiegel Grimassen schneiden.
9. Ins Kissen schreien.
10. Reportagen lesen über Leute, denen es wirklich schlecht geht.

Lesen

Ich kapiere nicht, warum sich alle so darüber aufregen, dass die Sendung “Lesen” von und mit Elke Heidenreich nun abgesetzt wurde. Natürlich, die Buchhändler kann man verstehen, weil Bücher, die in der Sendung verrissen oder gelobt wurden (ganz egal), sich schön einfach verkaufen ließen. Die Verlage druckten wohl schon nach, wenn sie nur davon erfuhren, dass Frau Heidenreich diesen oder jenen Autor wohl besprechen würde (, wobei das in letzter Zeit wohl auch nicht mehr so war). Andererseits kommt mir eine Sendung übers Lesen so vor, wie eine Sendung übers Spazierengehen. Der Erkenntnisgewinn ist dann doch eher gering. Die Empfehlungen von Frau Heidenreich erkannte man in den Buchhandlungen ja eh immer gleich am größten Stapel, der da lag, oder ein paar Wochen später anhand der Spiegel-Bestseller-Liste. Und wäre es nicht irgendwie besser, man würde wirklich lesen, anstatt eine Sendung zu schauen, die will, dass man liest?

Foto: *Solar ikon*/flickr/cc-by

Impressumspflicht und Offline-Spam

Es gibt ja diese sogenannte Impressumspflicht, wonach also jeder Webseitenbetreiber in Deutschland gezwungen wird, eine ladungsfähige Anschrift anzugeben. Diese darf keine Firmenadresse sein und auch kein Postfach, weil die Gesetzgeber davon ausgehen, dass man dort etwaige Post nicht so toll empfangen kann wie zu Hause. Also ist die ladungsfähige Anschrift eine Privatadresse. Das ist, dachte ich, insoweit nicht so schlimm, weil man ja als Besitzer einer .de-Adresse sowieso seine Privatsphäre an die denic abgibt, die solche Daten auch der Öffentlichkeit preisgibt. Seit ich aber nun die Impressumspflicht erfülle, um abmahnenden Drecksanwälten die Arbeit zu ersparen, mir unverlangt Kostennoten zu schicken, bekomme ich Post. Pressemitteilungen von einer Weinhandlung, von einigen PR-Firmen undsoweiter. Pressemitteilung heißt: die wissen, dass ich Journalist bin. Privatadresse heißt: sie haben sich auf meiner Homepage bedient, denn im Telefonbuch oder irgendwelchen Verzeichnissen stehe ich nicht. Nun meine Frage: dürfen die das? Und wenn nicht: was ließe sich dagegen unternehmen? Meine erste Idee war ja, die Post als unverlangt wieder zurückzusenden. Oder noch besser mit einem “Empfänger verstorben”.

Unwichtig

Eigentlich wollte ich was zu dem Bild da oben schreiben, doch nun fällt es mir nicht mehr ein. Vielleicht war der Gedanke zu flüchtig, dass darfst Du jetzt nicht vergessen, dachte ich, als ich vorbeilief. Ist aber passiert. Tut mir leid, aber vielleicht war’s auch einfach nicht so wichtig. Was anderes: gerade habe ich gelesen, dass das Wort Adieu bis zum Ersten Weltkrieg in ganz Deutschland die gängige Abschiedsformel war. Dann hat man aber in einer patriotischen Aktion und aufgrund des Franzosenhasses, der damals so en vogue war, das “Auf Wiedersehen” eingeführt. Immerhin haben sich Tschüß und Ade erhalten, die beide auf den französischen Ursprung zurückgehen. Im Ursprungsland selbst wird Adieu wohl nur noch verwandt, wenn man fast sicher ist, jemanden nicht wiederzusehen, so als endgültige Abschiedsformel also. Dessen ungeachtet könnte man das Adieu in Deutschland eigentlich langsam schon wieder einführen, schließlich hört es sich viel schöner an als Auf Wiedersehen und der Erste Weltkrieg ist ja nun wie auch der Franzosenhass Geschichte. Jetzt weiß ich aber immer noch nicht, was ich zu diesem Bild da oben schreiben wollte. Das muss am Alter liegen. Mein Geist verabschiedet sich langsam …

Funzelfahrt

Herbstspaziergang die Zweite: ganz spontan am Main Richtung Frankfurt gelaufen, die Sonne verschwindet hinter der Stadt, ein Schwarm Gänse huscht vorbei und klingt dabei wie ein kurzes Blätterrauschen, dann das Rudererdorf, das Wasser ist hell erleuchtet, es sieht aus wie ein Laternenfest, geschmückte Boote, mit unzähligen Lämpchen, Kerzen, manche sogar mit kleinen Lagerfeuern gespickt, tänzeln auf dem Wasser. Ich hab dann zu Hause nachgelesen, dass es sich bei dem Spektakel um die 26. Frankfurter Funzelfahrt gehandelt hat. Ist aber eigentlich auch egal, denn: schön war’s. Vielleicht auch weil es so unvermutet kam.

Können wir nicht mal über was anderes reden?

Ich kann nicht mehr. Jeden Tag in den Zeitungen, jeden Montag Seiten über Seiten im Spiegel, jeden Donnerstag die Zeit, auch im TV stets das Gleiche, als ob es kein anderes Thema mehr gäbe. Es ist ein wirklicher Overkill und Beweis dafür ist, wie schwer es mir gerade fällt das Wort überhaupt zu schreiben: Finanzkrise. Dabei ist mir in gut vierwöchiger Dauerberieselung nicht mal klar geworden, worum es eigentlich geht, was das Problem ist, kann das nicht einer der aberdutzenden Experten auf den Punkt bringen? Und kann man nicht ein einziges Interview führen, in dem die F. (ich kürze jetzt einfach mal ab), nicht vorkommt? Zum Beispiel gestern in der taz das Interview mit Harald Schmidt, man fängt so an zu lesen und es geht um den Hamlet natürlich, um deutsches Regietheater, Peymann und das ganze Zeug und als sich schon eine gewisse Beruhigung eingestellt hat, zack: F. Neulich auf der Buchmesse, da gibt Paulo Coelho ganz offen zu, dass auch er mit der F. belästigt wird, “weil die Leute wohl denken, das Autoren zu allem eine Meinung haben”. Im Moment denken aber alle, alle hätten zu allem eine Meinung. Deswegen kann man kein Feuilleton mehr lesen, ohne es mit dem Wirtschaftsteil zu verwechseln und keinen Wirtschaftsteil, der nicht ohne apokalyptische Katastrophenmeldungen und keinen Leitartikel, der ohne das Wort F. auskommt. Man kann nicht mal die Frankfurter Skyline anschauen, ohne an diese verf. F. zu denken. Es ist allgegenwärtig. Danach kommt gleich Reich-Ranicki. Wenn es zwei Sätze gibt, die verboten gehören, weil sie nun wirklich zu oft gefallen sind dann: “Durch die F. droht die Rezession.” Und: “Reich-Ranicki hat ja so recht.” Leider mischen sich beide Themen auch unmerklich in normale Konversationen ein, private Gespräche, wo doch die F. besonders da nichts zu suchen hat, eigentlich. Es ist im Übrigen erstaunlich, über welch unendlich wichtigere Dinge man sich unterhält, klammert man die F. und MRR und vielleicht noch einige andere Sachen vorher aus. Man muss eben immer nur den roten Buzzer vor Augen haben, der nervtötend brummt, wenn den Kandidaten ein bestimmtes, verbotenes Wort herausrutscht. Sie wissen schon, wie in diesen Spielshows. Spielshows – womit wir wieder bei der Börse wären. Es ist wie verhext. Können wir nicht mal über was anderes reden?

Herbstspaziergänge

Man muss es eben immer alles positiv sehen. Denn der Vorteil der kürzer werdenden Tage ist ja, dass es viel wahrscheinlicher ist, dass man im Nebel oder im Dunkeln durch die Straßen spaziert. Manchmal schaue ich nur auf den Boden und beobachte meinen Schatten wie er nach vorne länger wird und am nächsten Laternenpfahl abrupt wieder verschwindet und dann langsam wiederkommt. Sieht schön aus. Und das mancherorts dann doch recht hässliche Pflaster nimmt man nur noch schemenhaft wahr. Der andere Vorteil des Herbstes ist die gute Luft, diese Mengen an Sauerstoff ist man ja gar nicht mehr gewohnt in einer Großstadt. Davon bekommt man dann rote Wangen. Und wenn es doch mal hell und klar ist, dann erschlagen einen fast die bunten Farben. Gestern waren übrigens gefühlte eine Million Stare zu Gast in Frankfurt, an der Messe und an der Hauptwache waren die Bäume schwarz vor Vögeln. Nein, es gibt überhaupt keinen Grund, den Herbst nicht zu mögen.

Fußballfans

Weil ich ja im Grunde meines Herzens ein verschlossener Bursche bin, habe ich mir so überlegt, vielleicht Fußballfan werden zu sollen. Jedenfalls waren in der S-Bahn-Station, in der ich ewig lange auf meine Bahn warten musste, weil ich die andere verpasste, waren da zwei Typen, die sich sowas von überhaupt nicht kannten, aber sich urplötzlich anblickten, gegenseitig auf ihr Eintracht-Emblem zeigten und dann angeregt über das Spiel und den Trainer und verschiedene Spieler schnatterten, so als ob sie sich schon ewig kennen würden. Ob der Trainer nun weg solle oder nicht (eher nicht), ob dieser oder jener Spieler nun gut gewesen sei (ja, durchweg), ob der spät erkämpfte Sieg verdient und schließlich nicht auch “total wichtig” gewesen sei (JAAA!) undsoweiterundsofort. Na ja, jedenfalls ist das doch eigentlich großartig, dass man darüber so sprechen kann, obwohl man sich nicht kennt und irgendwie wollten die beiden mich wohl auch einbinden, und einer bot mir sogar Weingummis an und entschuldigte sich dafür, dass sie mich bestimmt stören würden, weil ich doch bestimmt in meinem Buch lesen wolle, in dem ich so intensiv blätterte. Dabei habe ich gar nicht so richtig gelesen, sondern nur die Seiten angestarrt, weil ich erst über so manches anderes und dann eben darüber nachgedacht habe, ob ich Fußballfan werden sollte. Leider interessiere ich mich überhaupt nicht für Fußball, obwohl während meiner Geburt angeblich die Kickers gespielt und ihre Fans lauthals ins Krankenhaus herübergebrüllt haben, ich also das Fußballfantum schon in die Wiege gelegt bekommen haben müsste (wenn auch genaugenommen nicht das Eintracht-Fantum, aber egal). War aber weder so noch anders. Und Fußballfans zu entgegnen, ach echt, wer hat denn heute gespielt, das kommt nie gut und man erntet Blicke zwischen Unverständnis und Mitleid. Man kann sich, und das ist nun meine Schlussfolgerung, nicht dafür entscheiden, Fußball gut zu finden und wildfremde Menschen auch, nur weil die das gleiche Vereinswappen mit sich herumtragen. Dafür muss man vielleicht, wie man so sagt, eine Ader haben. Ich starre lieber Bücherseiten an und denke währenddessen über manches anderes nach.

Faserland

Es ist ja irgendwie ganz schön hip, immer die neuesten Bücher zu empfehlen, am Besten die, die noch nicht mal jemand lesen kann, weil sie erst noch erscheinen und nur die Fahnen schon verschickt wurden oder Leseexemplare, die man später nicht auf eBay oder amazon verkaufen kann. Aber nicht nur deswegen hat es für mich keinen Sinn über das neue Buch von Christian Kracht zu schreiben, das den wunderbaren Titel “Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten” trägt und zu dem der Verlag folgenden Trailer hat produzieren lassen:

Nein, es ist viel eher so, und deswegen komme ich überhaupt auf Kracht, dass ich gerade, in ungefähr zehn Straßenbahnfahrten zur Arbeit und zurück, “Faserland” gelesen habe und, ich meine, das ist ja nun wirklich ein wunderbares Stück Popliteratur, wobei ich den Begriff Popliteratur nie verstanden habe, weil nur, weil jemand Markennamen nennt oder sich auch mal traut Belanglosigkeiten zu schreiben, ist das nicht gleich Pop, sondern eigentlich doch eher Literatur. Na, jedenfalls ist das Buch 1995 erschienen und aus heutiger Perspektive ein schönes Zeugnis jener Zeit, als geraved wurde und gekokst und gevögelt, und das alles dermaßen verkommen und roh erscheint, und die Reise durch die BRD von Nord nach Süd eher einem Ausflug in den Zoo gleicht, nur dass dort vor allem Nazis, Technohippies und Barbour-Jacken-Träger zu besichtigen sind, und ab und an auch eine hübsche Frau, selbst wenn sie wenige Sekunden später in einem Keller liegt und versucht, sich Drogen in den Fuß zu spritzen. Alles natürlich im Plauderton und mit viel indirekter Rede, was Faserland eine schöne Eleganz verleiht. An dem Buch ist eigentlich nur auszusetzen, dass dieser weiße dtv-Einband total schnell schmutzig wird. Auf eBay oder amazon kann ich das Ding jedenfalls nicht mehr verkaufen, ohne irgendwie schlechte Bewertungen zu bekommen. Aber das, also Verkaufen will ich eigentlich auch nicht. Vielleicht les ich es in zehn Jahren nochmal und schreib was drüber, sofern es dann immer noch im Trend liegt, neue Bücher zu besprechen.

Nichts Besonderes

Gerade habe ich den IQ-Test im Zeitmagazin gemacht. IQ steht in diesem Fall für Individualitätsquotient, die Skala reicht von 0 bis 100. Ergebnis: ich bin, mit einer Punktzahl von 51, “perfekt”. Ja, wirklich. Perfekt, weil ich mich nicht nach einem Handy sehne, mit dem man “nur telefonieren” kann, weil ich Leipzig nicht “schon toll” finde und Latte-macchiato-Trinker nicht nervig (wahrscheinlich weil ich selbst manchmal dazuzähle). Wie auch immer: perfekt heißt, dass ich individuell genug bin. Was auch immer das heißen mag. Übrigens hört sich der Test genauso langweilig an, wie er ist, weil man natürlich erst schaut, wie man IQ-Punkte sammelt und dann vollkommen voreingenommen den Test macht und hinterher überhaupt nicht überrascht ist. Das traurige ist auch: der Test ist noch das spannendste am aktuellen Zeitmagazin. Es gibt ein langweiliges Interview mit Thees Ullmann von Tomte, der in einem Lied die “Zeit” erwähnt, weswegen er nun interviewt wird. Es gibt ein fiktives Interview mit Leonardo da Vinci, und weil fiktive Interviews für Leser immer ärgerlich sind, ist es noch ärgerlicher, das dafür stolze zehn Seiten ausgegeben werden. Liz Mohn hat einen Traum. Eine nutzlose Modestrecke über neue Krawattenmodelle (liest wahrscheinlich nur Stefan von Holtzbrink). Einen Atelierbesuch. Einen Cabriotest, der genau rechtzeitig zum Ende der Cabriosaison kommt. Eine Stilkolumne, die fragt, warum Frauen Schluppenblusen tragen, wobei ich noch nie eine Frau gesehen habe, die Schluppenblusen trägt und nun die nächste Stilkolumne bittesehr die Frage umkreisen sollte, in welchem Paralleluniversum der Stil-Redakteur lebt. Dann die wie immer überflüssige Kolumne von Wolfram Siebeck, der diesmal nicht rät, in Kartoffelbrei ein Pfund Butter zu kippen, damit er schmeckt, sondern dass es in einer Küche ordentlich sein sollte. Und schließlich das Interview mit dem greisen Helmut Schmidt, der diesmal darüber redet, dass Abgehörtwerden gar nicht so schlimm ist, sondern: “Zum Kotzen. Es stört mich aber nicht sonderlich: denn wirklich wichtige Gespräche führe ich nicht per Telefon.” So einfach ist das. Die Kolumne von Harald Martenstein beschäftigt sich diesmal mit einem Leser, der die schöne Angewohnheit hat, Artikel auf ihren letzten Satz hin zu überprüfen, wobei manche letzte Sätze tatsächlich sehr schön, andere sehr schaurig sind. So ist es auch beim Zeitmagazin, hier sind sie, in chronologischer Reihenfolge:

  • Der Grund dafür, dass letzte Sätze meistens danebengehen, sei folgender.
  • Funktioniert super.
  • Lebe Wohl!
  • Wir müssen.
  • Wenn man dann das nächste Mal gefeuert wird und mit dem vollen Pappkarton in Händern auf der Straße steht, sieht man dabei wenigstens gut aus.
  • Irgendwann wird dieses Ding seinen Platz in der Kunst finden.
  • Drei lange Tage wird die Auktion dauern.
  • Erster Vorschlag für einen Kosenamen: iPödchen.
  • Nicht einmal der Teufel guckt sie gern lange an.
  • Nur?
  • Denn wenn Lars wirklich in die Fußstapfen seines Vaters tritt, muss sich Marita fragen, ob sie ihn so lieben kann.
  • Das ist ein ekelhafter Nebeneffekt des elektronisch-technischen Fortschritts.

So bin ich also nicht schlauer geworden beim Lesen des Zeitmagazins, aber ich weiß nun: wenigstens ich bin perfekt.

Hinterm Humanglobalen Zufall steckt Axel Springer

Gestern Abend hatten wir im Frankfurter PresseClub sehr netten Besuch. Michael Ebert, der Neon-Chefredakteur, und Dennis Buchmann, der Global Editor von Humanglobaler Zufall, waren zu Gast. Sie sprachen über die Zukunft von Magazinen, die Gründung ihrer beiden Zeitschriften und gaben die eine oder andere Anekdote preis. Michael Ebert wusste schon von Zufall-Artdirektor Mirko Borsche, dass das Cover mit dem genialen Wechsel-Bild (je nach Lichteinfall und so) noch eine weitere Überraschung bereithielt. Dennis Buchmann gab es auch sofort zu: “Andere machen nackte Frauen auf den Titel, um sich besser zu verkaufen, wir machen sie dahinter.” Und das im Axel-Springer-Verlag! Man kann nur hoffen, dass das Erfolg hat. Denn die neue, mittlerweile dritte Ausgabe des Heftes ist sehr, sehr hübsch geworden. Mitte des Monats will man bei Springer entscheiden, wie es weitergeht mit diesem Kleinod. Wie auch immer: im ganzen Trubel haben wir dann völlig vergessen, das Geheimnis tatsächlich zu lüften. Das sei nun hiermit nachgeholt:

Update: eine andere Rezension gibt es hier nachzulesen.