Retro-chic
Durch den ganzen modernen, elektronischen Schnickschnack, erfreut man sich doch immer mehr an den guten, alten Dingen. Nein, das soll jetzt keine Werbung für den Manufactum-Katalog werden. Aber für eine kleine Software, die sich Poladroid nennt. Der Name sagt es schon: das kleine Schmuckstückchen für Macintosh-Computer zaubert aus regulären Digitalfotos polaroidige Digitalfotos. Ein Beispiel.
Vorher

Nachher

Nicht schlecht, oder? Kann natürlich nicht mit dem Charme einer echten Polaroid mithalten und schon gar nicht mit den Schnappschüssen und dem anschließenden Wedeln und Warten bis sich das Stück Wunderpapier entwickelt hat. Doch immerhin: auch bei Poladroid dauert es etliche Minuten, bis das Bild “entwickelt” ist. Solch Langsamkeit ist im Computerzeitalter schon wieder Luxus. Der andere Vorteil ist natürlich, dass man wie stets mit der Taschendigi den Schnappschuss machen kann, was heute ja nicht weiter auffällt. Ganz im Gegensatz zu einer Polaroid, die fast ähnlich ungläubige Blicke auf sich zieht wie ein Straßenkreuzer aus den 50er-Jahren oder zylindertragende Männer oder Frauen mit Betonfrisuren. Das gilt auch für alte, also analoge Kameras. Die Leica M3 zum Beispiel war einst ein Garant für unauffälliges Fotografieren. Kein Blinken, kein Blitzen, nur ein leichtes Schnappgeräusch und leises Schnalzen. Ich hab mir jetzt mal wieder so einen Schwarz-Weiß-Film für die Leica meines Vaters gekauft, die kosten übrigens mittlerweile 3,50 Euro, was ich schon recht teuer fand. Doch noch erstaunlicher war: unauffälliges Bildermachen ist passé, man wird sogar angesprochen. Jeder Teenie kann in der S-Bahn jungen Frauen hinterherfilmen, ohne dass es einen Aufruhr gäbe, aber wehe, jemand kommt mit einem Gerät aus dem letzten Jahrhundert daher. So lange ist die Zeit der Analogfotografie doch nun weißgott nicht her! Also doch lieber Poladroid.
via Lifehacker








wunderbares Stück Popliteratur, wobei ich den Begriff Popliteratur nie verstanden habe, weil nur, weil jemand Markennamen nennt oder sich auch mal traut Belanglosigkeiten zu schreiben, ist das nicht gleich Pop, sondern eigentlich doch eher Literatur. Na, jedenfalls ist das Buch 1995 erschienen und aus heutiger Perspektive ein schönes Zeugnis jener Zeit, als geraved wurde und gekokst und gevögelt, und das alles dermaßen verkommen und roh erscheint, und die Reise durch die BRD von Nord nach Süd eher einem Ausflug in den Zoo gleicht, nur dass dort vor allem Nazis, Technohippies und Barbour-Jacken-Träger zu besichtigen sind, und ab und an auch eine hübsche Frau, selbst wenn sie wenige Sekunden später in einem Keller liegt und versucht, sich Drogen in den Fuß zu spritzen. Alles natürlich im Plauderton und mit viel indirekter Rede, was Faserland eine schöne Eleganz verleiht. An dem Buch ist eigentlich nur auszusetzen, dass dieser weiße dtv-Einband total schnell schmutzig wird. Auf eBay oder amazon kann ich das Ding jedenfalls nicht mehr verkaufen, ohne irgendwie schlechte Bewertungen zu bekommen. Aber das, also Verkaufen will ich eigentlich auch nicht. Vielleicht les ich es in zehn Jahren nochmal und schreib was drüber, sofern es dann immer noch im Trend liegt, neue Bücher zu besprechen. 

