Null Prozent plus X

Das Problem an Politik in Wahlzeiten ist, dass man Erwartungen schürt. Andrea Ypsilanti wollte nie mit den Linken koalieren. Huber und Beckstein gaben 50 Prozent plus X aus. Sie müssen mit den Ergebnissen leben. Da ist es fast egal, was die Auguren nun als wahlentscheidend deuten. Die vermasselte Debatte ums Rauchverbot? Die simple Feststellung “Die können es nicht”? Das Ergebnis in Bayern ist nur mehr ein Zeichen von der Schwäche der beiden großen Volksparteien. Und der Vergleich mit Hessen drängt sich schon auf. Die Sozialdemokraten haben es hier wie dort nicht geschafft die Schwäche der Konservativen auszunutzen. In Hessen haben die Genossen nach einem von ausländerfeindlichen Ressentiments geschürten und fehlgeleiteten Wahlkampf der CDU immerhin nicht das schlechteste, sondern nur das zweitschlechteste Ergebnis eingefahren. Das ist kein Erfolg. Und das Kratzen an der 20-Prozent-Marke in Bayern ist es auch nicht. Gewinner sind die kleinen Parteien. Ein Zeichen fortschreitender sozialer Atomisierung? Soweit ist es nicht. Nur sollten sich die führenden Politiker beider Parteien vor der kommenden Wahl eins ins Gedächtnis rufen: lieber keine Vorhersagen machen, ieber keine Verheißungen und keine Versprechungen, die sich nicht einlösen lassen. Bescheidenheit. Null Prozent plus X. Und: wir koalieren mit jedem. Dann gehen auch die ganzen Interviews nach sogenannten Wahldebakeln leichter von der Hand. Schlechtes Ergebnis, ja gut, aber 44 Prozent besser als wir dachten. Das ist doch was!
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