
Nein, es soll hier nun nicht auch noch darum gehen, auf die armen öffentlich-rechtlichen Sender einzudreschen. Aber die Frage muss erlaubt sein: was ist Rundfunk? Ist das Publizieren im Internet Rundfunk? Die Befürworter einer stärkeren Netzpräsenz von ARD und ZDF sehen das so. Sie argumentieren: warum sollte der Rundfunk nicht mit der Zeit gehen dürfen? Warum nicht die Hörer und Zuschauer da mit Informationen versorgen, wo sie sich tummeln? Zugleich befürchten die Verlage, dass sie das knappe Terrain im Netz nun auch noch mit einem erheblich ausgeweiteten, gebührenfinanziertem Online-Angebot teilen müssen. Soweit die offensichtlichen Gräben.
Dahinter steht ein ganz anderer Umbruch: der Pluralismus hat zugenommen. Den Zuschauer, den Leser, den Hörer gab es noch nie, aber anders als früher muss er sich nicht mehr mit den Massenmedien zufrieden geben. Der Prozess dorthin war lange Zeit schleichend. Von drei Programmen zu zwölf. Von zwei Radiosendern zu zwanzig. Erst durch das Internet und insbesondere durch die flächendeckende Versorgung mit günstigen Breitbandanschlüssen, ist es in den Industrienationen zu einer wirklichen Umwälzung der Medienlandschaft gekommen, deren Auswirkungen die alten Massenmedien nun zu spüren bekommen. Der Nutzer kann schnell und kostengünstig zum Produzenten werden. Nicht mehr nur Texte, auch Videos und Podcasts für alle möglichen Zielgruppen überfluten derzeit das Internet. Und nicht selten umfasst die Zielgruppe dabei nur wenige Menschen.
Zugleich ist damit der Zwang verschwunden, Unterhaltung an bestimmte Uhrzeiten zu knüpfen. Man leiht sich eine DVD, man lädt eine amerikanische TV-Serie herunter, man trägt eine Radiosendung auf dem iPod umher. Auch hier ist die Mediennutzung flexibler geworden. Und die herkömmlichen Sender hinken gewaltig hinterher. Der Rund-Funk ist so ein Auslaufmodell. Und eigentlich ist es damit auch der Programmauftrag der öffentlich-rechtlichen Sender. Und damit die Rundfunkgebühren. Eigentlich müsste man andere Formen der Finanzierung finden, doch die Bundesrepublik bäumt sich noch einmal auf und lässt Medienpolitiker wie Kurt Beck durchs Land ziehen und vom Wein vergangener Jahre predigen. Das ist nostalgisch. Aber das passt ja zu einer Volkspartei, im übrigen noch so ein Auslaufmodell. Doch davon an anderer Stelle.