Monatsarchiv für April 2008

 
 

Liebling Liebling

Hm, das Ding kommt wohl aus Berlin. Wo auch sonst. Sieht man jedenfalls an den Protagonisten, denen der Liebling eine Bühne bietet. Das Titelblatt ist seltsam, das Format sowieso, dabei ist es nun bereits die dritte Ausgabe, die ich mir gekauft habe. Man mag sich einfach nicht dran gewöhnen. Spätestens ab Seite 100 zerfällt die Zeitung zu einem Stapel voll Altpapier. Dafür sind aber wirklich tolle Texte drin, zwei jedenfalls. Zum Beispiel die Worte von Peter Saville, der mal Plattencover gestaltete und nun, festhalten, Creative Director of Manchester ist. Ein Teilzeitjob, wie Saville sagt. Und weiter:

Orte brauchen keine Logos oder Slogans. Sie brauchen ein kollektives Gefühl des Fortschritts. Eine Vision. Menschen wollen dieses Gefühl eines Ziels spüren. Und die Politik muss diese Vision als Anspruch an sich selbst ständig formulieren. Unser politisches System birgt nämlich eine Gefahr: Mittlerweile sind so viele Menschen mit Regierungsaufgaben beschäftigt, dass Steuerung zum Selbstzweck wird. Was wirklich in der Welt passiert, entgeht ihnen.

Sehr hübsch, möchte man glatt den größtenteils unvisionären und provinziellen Lokalpolitikern Frankfurts hinter die Ohren schreiben. Aber gut, das ist halt Frankfurt und Frankfurt wird wie immer nicht erwähnt. Berlin, Hamburg, München und Köln erwähnt Saville dagegen. Das ist auch schon ein Zeichen.
Der zweite ganz schöne Text ist fast ganz hinten, auf Seite 145. Dort schreibt Lars Harmsen über die gute alte, weil langsame Zeit und weiß auch nicht so recht, warum die Welt immer schneller wird, nur:

2008 liegt die Knarre im Anschlag. Auf den Empfänger gezielt. Keine Antwort in 24 Stunden? Job weg. Ausgemustert. Loch in der Brust. Wir haben die Lunte gezündet. Raketenstart in Lichtgeschwindigkeit.

Und zum Schluss heißt es wunderbarerweise:

Geschichte wiederholt sich. Könnte allerdings sein, dass die Beats so schnell wie Speedcore werden. Mit bis zu 1.500 bpm, vom menschlichen Gehör nicht mehr wahrnehmbar. Dann ist alles nur noch Rauschen. Wie beim Einschlafen in absoluter Stille. Es erinnert an Brandung. Salz auf den Lippen. Füße im Sand. Ich geh jetzt surfen.

Was soll man sagen: Sätze, wie aus einem Song von Kante oder Tocotronic oder ich weiß nicht wem. Bleibt nur eine Frage, eine Frage, die selbstverständlich nur einem Ökospießer wie mir einfallen kann: ist es ökologisch vertretbar eine Zeitung für wahnsinnig günstige 2,80 Euro zu kaufen, eine Zeitung für die gefühlt ein ganzer Spiegel-Jahrgang recycled oder ein halber Tropenbaum fallen musste? Antwort: ja, ist es. Entweder benutzt man es als Geschenkpapier. Oder schenkt es jemanden, der tapezieren will. Damit haben dann auch die vielen Seiten mit seltsamen Foto-, Kunst-, Irgendwas-Strecken ihren Sinn.

Knut

Schon lustig, wenn man nach Webseiten über den einstigen Frankfurter Polizeipräsidenten Knut Müller sucht und tatsächlich einige Videos zum Stichwort findet:

Ansonsten kann ich nur dieses Gespräch zwischen Müller und Tom Koenigs empfehlen, das Reinhard Mohr vorgestern im Club Voltaire führte. Ganz großartig.

Das richtige Leben

Vogel im Strommast

Matthias Kalle spricht unserer Generation im Zeit Magazin das Wort. Er schreibt:

Sie liegen in ihren Betten und träumen von ihrer Jugend, von den Sehnsüchten, die sie früher hatten, von den Jungs und den Mädchen, die sie vergaßen zu küssen, von all den Möglichkeiten, die ungenutzt blieben, und sie träumen von Erinnerungen, die sie niemals haben werden. Und wenn sie aufwachen, dann möchten sie für einen kurzen Moment am liebsten schreien.

Es ist ein recht dunkler, schwermütiger, weltschmerzvoller Artikel mit nur leichten Aufheiterungen, man könnte glatt verzweifeln und gleichzeitig denkt man sich: Ja, so ist es, recht hat er, hat er wirklich recht? Natürlich gibt es unübersehbare Unterschiede zur Eltern- und Großelterngeneration mit ihren Geschichten vom Krieg und vom Wiederaufbau und vom Straßenkampf und Protesten und Auseinandersetzungen, dem Kalten Krieg und der ersten Banane. Geschichten wie diese klingen nun wie Schlaglichter eines großen, eines gelebten Lebens und mithalten können wir schon gar nicht. Dabei hatten sie, und das ist vielleicht entscheidend, viel weniger Möglichkeiten (, die sie ungenutzt verstreichen ließen), das Netz aus gesellschaftlichen Zwängen und geschichtlichem Schicksal war enger geknüpft, die Erziehung strenger, die Anekdoten herber.
Und so leben wir unser Leben freier, die Läufte sind verschlungener, undurchsichtiger, die Zukunft unwägbarer. Und irgendwann werden auch wir erzählen, wie es war, nicht zu wissen, wie man einen vernünftigen Job bekommt. Wie es war, als Uni-Absolvent unterbezahlt zu sein. Davon in einer Seifenfabrik Schweinchenseife hergestellt oder in einer Autoradiofabrik Bedienknöpfe in die Oberschale gehauen zu haben. Die Geschichten liegen, unsere Geschichte liegt auf dem Tisch, das Sammeln und Verdichten bringt die Zeit mit sich. Das Gefühl, viel verpasst zu haben, wird bleiben. Wir sind nur so ehrlich, es zuzugeben.

My beautiful Mommy

Ein weiterer Band aus der Reihe: wie erklär ich’s meinem Kind. In diesem Fall: Schönheitsoperationen. Wenn es nicht wahr wäre, man würde es nicht glauben:

Newsweek schreibt dazu:

What’s the market for a children’s picture book about moms getting cosmetic surgery? No one specifically tracks the number of tummy-tuck-and-breast-implant combos (or “mommy makeovers,” as they’re called), but according to the latest numbers from the American Society of Plastic Surgeons, breast augmentation was the most popular cosmetic surgery procedure last year, with 348,000 performed (up 6 percent over 2006). Of those, about one-third were for women over 40 who often opt for implants to restore lost volume in their breasts due to aging or pregnancy weight gain. There were 148,000 tummy tucks—up 1 percent from the previous year.

Gefunden bei The Superficial

41 Stunden im Fahrstuhl

Okay, das ist nicht der Titel eines neuen Horrorstreifens, aber 41 Stunden unfreiwillig in einem Aufzug zu hängen, steckt wohl nicht jeder so weg, wie Nicholas White, wie diese Zusammenfassung der Überwachungskameras zeigt.

Oder wie es Amy Stein sagt: “I would have chewed off my arm and clubbed myself to death with it.”

War ja klar …

… dass nun, nachdem sich Charlotte Roches Feuchtgebiete über vierhunderttausendmal verkauft haben, die ersten feuilletonistisch angehauchten Trendartikel erscheinen, die den ganzen Kladderadatsch zum hippen Zeitgeist deklarieren und sich selbst nicht zu schade sind, bereits millionenfach verbreitete Clichés zu einem langen Erguss zu vermengen, der selbstredend mit netten Bilderstrecken garniert werden darf, schließlich sind wir alle so locker heutzutage und die Frauen willig. Warum man dann aber folgendes Foto mit dem Begriff Masturbation umschreiben muss, das erschließt sich wahrscheinlich nur den Männern beim Axel-Springer-Verlag (vielleicht kann es auch Herr Niggemeier erklären, der hat mit seiner Symbolbild-Sammlung ja schließlich Erfahrung, wer weiß):

Quelle: Torsten Thissen, Frauen entdecken die Lust am Ordinären, Welt Online, 14. April 2008

Man fühlt sich gleich zehn Jahre jünger, wenn …

… man einen Stempel auf der Hand hat, auf dem “cool” steht:
cool

Wie das Konzert von Catherine Ringer in der Kapp sonst so war? Weiterlesen beim Journal, gucken bei flickr.

Offenbacher Kreuz

Offenbacher Kreuz
Hochhausbeleuchtung in Offenbach am Main.

Die Star-Wars-Band

Doch, doch, sehr hübsch mit Prinzessin Leia als Frontfrau:

Gefunden bei Designyoutrust

Feierabend

… im Foyer des Maintowers in Frankfurt:
im maintower-foyer

Kuscheln und wohlfühlen

Nur kurz sei auf folgendes Interview in SpiegelOnline verwiesen, in dem der Kinderpsychologe Wolfgang Bergmann interessante Vermutungen wie diese äußert:

Es geht (…) mehr um diese generelle Antigewalt-, Antikörperlichkeit-, Antimännlichkeitserziehung. Auch die männlichen Pädagogen haben ja dieses seltsame Umhüllungs- und Friedensideal soweit übernommen, dass es schnurz ist, ob ein Mann oder eine Frau verantwortlich ist. Wenn heute im Kindergarten beim Ballspielen eine Fensterscheibe zu Bruch geht, wird doch sofort der Morgenkreis einberufen. Jungen haben heute kaum noch die Fähigkeit, sich selbst in ihrer Körperlichkeit, in ihrer männlichen Durchsetzungsfähigkeit kennenzulernen. Sie werden mit Teilen ihrer Männlichkeit überhaupt nicht mehr bekannt.

“Wohlfühl-Kuschel-Pädagogik geht Jungs gewaltig auf die Nerven”, SpiegelOnline, 5. April 2008

Nicht wirklich

Es war einem ja schon irgendwie immer klar, geradezu schmerzhaft klar, aber die Fotoserie der Kunstseite Pundo300 führt es noch einmal vor:

100 Produkte im Vergleich zu ihren Werbefotos. Schön ist das nicht wirklich.
gefunden bei rebel:art