Ahoi!


Unter der Kaiserlei-Brücke in Offenbach
Sueddeutsche.de war schnell, schneller als Spiegel Online was die Hamburger Wahl angeht. Da kann man den Münchnern auch verzeihen, dass sie den Platzhalter für “ihr” Logo noch nicht ausgefüllt haben:

Ich muss noch mal über Terrorismus und Überwachungsstaat sprechen. Genauer über Doktor August Hanning. Und über Christel Wegner. Christel wollte die Stasi zurückhaben, zumindest hatte sie sich zunächst so im TV-Magazin “Panorama” geäußert, genauer:
Ich denke nur, wenn man eine andere Gesellschaftsform errichtet, dass man da so ein Organ wieder braucht, weil man sich auch davor schützen muss, dass andere Kräfte, reaktionäre Kräfte, die Gelegenheit nutzen und so einen Staat von innen aufweichen.
Mittlerweile hat Christel ihre politischen Ämter abgegeben, ihre Aussage widerrufen müssen. Sie sei, so sagt die Politikerin der DKP, falsch verstanden worden.
Kommen wir also zu August. Dr. August, Verzeihung! Ist Euch der noch ein Begriff? War mal Ende der Neunziger Jahre Präsident des Bundesnachrichtendienstes und musste als solcher zur Journalistenbespitzelung Stellung nehmen, die, das muss man dazusagen, vor Beginn seiner Amtszeit seinen Lauf nahm:
Der damalige BND-Chef August Hanning hatte zuvor bereits öffentlich zugegeben, dass seine Behörde 1993 und 1994 Journalisten bespitzelt habe, um undichte Stellen im eigenen Apparat aufzudecken.
Quelle: Spiegel Online, 11. Mai 2006, Neue Vorwürfe gegen den BND
Na, das war ein ganz schöner Skandal damals und Aufklärung wurde gefordert und so weiter. Aber der Ärger der Medien hat sich gewandelt, seit der parteilose Hanning dem Innenministerium dienen und deshalb für gute Zitate im Schüren von Terrorangst herhalten darf:
Innenstaatssekretär August Hanning warnte öffentlich: “Wir sind voll ins Zielspektrum des islamistischen Terrors gerückt”. Die Gefahr von Terroranschlägen auf Deutsche sei so hoch wie lange nicht mehr, sagte Hanning.
Quelle: Der Spiegel, 11.2.2008, Propagandameister des Terrors
Nun liegt seit einigen Tagen die neueste Ausgabe des gewohnt alarmistischen Magazins Cicero an den Kiosken und in der darf der Doktor nicht nur noch einmal seinen bereits vom Spiegel verbreiteten Wir-sind-eine-Zielscheibe-Satz verbreiten, sondern auch dieses hier:
Innenstaatssekretär August Hanning macht sich für den sogenannten großen Spähangriff stark. „Dass die optische Wohnraumüberwachung notwendig ist, ist auch eine Konsequenz aus dem Sauerland-Fall“, sagte Hanning im Politikmagazin „Cicero“ (Märzausgabe) mit Blick auf die jüngst in Deutschland verhafteten Terrorverdächtigen. Gerade bei der Bekämpfung des islamistischen Terrors wäre es „außerordentlich hilfreich“, wenn die Ermittler potentielle Täter nicht nur akustisch überwachen sondern auch beobachten könnten.
Quelle: Cicero, März 2008
Nun wollen wir mal einfach mal annehmen, dass Herr Hanning diese Aussage nicht zurückrufen und auch nicht von seinen Ämtern zurücktreten wird. Schließlich mögen ihn alle, besonders der Beckstein (CSU).
Und weil die Geschichte keine Moral hat, lernen wir lediglich daraus, dass es nicht so schlau ist, den Überwachungsstaat zu fordern, wenn man kommunistischen Ideen nachhängt. Konservative dürfen dies im Rahmen des Anti-Terror-Kampfes natürlich. Schließlich könnten wir die Nächsten sein.

Zunächst ist man ja skeptisch. Tony Gilroy legt sein Regie-Debüt vor, bekannt wurde er durch die Drehbücher zu Filmen wie der „Bourne“-Trilogie oder „Armageddon“. Was erwartet uns? Explosionen, sinnloses Geballer, schnelle Schnitte? Weit gefehlt. „Michael Clayton“ ist ein mit ruhiger Hand gedrehter, bis in die Nebenrollen exzellent besetzter Anwaltsthriller, ein Beweis für die künstlerische Schaffenskraft Hollywoods, die man bei all dem Schund kaum noch erwartet. Es geht um einen Umweltskandal, um eine Firma, die ihn zu verantworten hat, und eine skrupellose Anwaltskanzlei, die den Vergleich mit den Klägern führt. Weil Staranwalt Arthur Edens (Tom Wilkinson) zur Vernunft kommt beziehungsweise „durchdreht“ (kommt ganz auf die Perspektive an), wird der „Ausputzer“-Jurist Michael Clayton auf ihn angesetzt, um ihn wieder auf Spur zu bringen. Clooney spielt Clayton als zerrissene, als verdammte Person, die zwischen die Fronten eines größeren Spiels gerät, das zu beeinflussen sie kaum noch in der Lage scheint. Gilroy legt großen Wert darauf, seine Charaktere bloß nicht eindimensional zu zeigen. Das gelingt ihm in diesem fast schon altmodisch aufgemachten Film ganz wunderbar.
(c) Journal Frankfurt
Die Nutzerzahlen bei Facebook haben abgenommen. ABGENOMMEN. Schreibt Spiegel Online, inspiriert von der Times, die es wiederum von einer Studie wissen. Dabei geht es gar nicht um die Nutzerzahlen, sondern um die Besucherzahlen, die geschrumpft sind. Der Grund dafür, dass die Zahl der angemeldeten Nutzer nie abnehmen wird, liegt in einer ganz einfachen Tatsache begründet: man kann sich nicht abmelden. Ich weiß das, weil ich meinen digitalen Selbstmord gestern mal wieder neuem Schub geben wollte (nachdem das mit dem Ableben bei Twitter schon nicht klappte). Nun also der nächste Fehlschlag:

Man kann den Account nur deaktivieren – alle Daten bleiben vorhanden. Ich könnte sie jetzt mühevoll löschen oder einen neuen (leeren) Account unter der gleichen E-Mail-Adresse anlegen, doch alles radikal weglöschen, das geht nicht. Am Besten sollte man sowas gar nicht erst anlegen, denn ob die Daten bei Facebook gelöscht werden, selbst wenn man es schafft, dass das Profil nicht mehr zugänglich ist, ist auch nicht klar (ich schätze: nein).
Warum ich mich abmelden will? Weil ich alle paar Tage irgendwelche E-Mails von irgendwelchen dubiosen Spielen (sogenannten Facebook-Applications) bekomme, bei denen ich mitmachen soll. Dabei habe ich alle E-Mail-Benachrichtungen ausgestellt und ich wette, dass die E-Mails auch weiterhin kommen, wenn ich meinen Account deaktiviert habe. Wenn ich Euch einen Tipp geben darf: meldet Euch gar nicht erst bei Twitter oder Facebook an. Zu spät? Dann: herzliches Beileid!
Wer in der Provinz nicht zur Besinnung kommt, dem ist nicht mehr zu helfen. Und bei kalter Harzluft, der ich mich vergangenes Wochenende ausgesetzt sah, schon mal gar nicht. G-r-o-ß-a-r-t-i-g! Hier ein paar Eindrücke aus der Landschaft am Lichtenstein (ohne ie!), der es durch die Lichtensteinhöhle im vergangenen Jahr zu einiger Berühmtheit gebracht hat:


Mehr Fotos hier.
Ich dachte vor ein paar Wochen in einem Anflug von Hipness, mich bei Twitter anmelden zu müssen. Ich hab dann dort auch so ein bisschen ins Leere geposted, aber dann gemerkt: irgendwie isses lustig, aber wenn keiner zuhört? und außerdem soviel Zeit dabei drauf geht. Also hab ich mich wieder abgemeldet. Nach 24 Stunden sollte mein Account gelöscht sein, behauptete Twitter. Er ist aber immer noch online, wie man hier sehen kann:
http://twitter.com/neosushi
Etwaige Mails an die Twitter-Leute blieben naturgemäß unbeantwortet. Jetzt folgen sogar zwei Personen meinen Kurznachrichten bei Twitter – ich kann mich dort aber nicht mehr mitteilen, weil ich mich nicht mehr einloggen kann. Ich könnte meinen Account reaktivieren, aber das verwehrt mir die Plattform, weil sie meinen Benutzernamen und meine Mail nicht mehr findet (die sind wahrscheinlich gelöscht).
So richtig, richtig abmelden geht aber anscheinend auch nicht.
Dieses Scheißding!
Weil ja alle gerade über Zoomer reden, Holtzbrincks neue, vorsichtig formuliert etwas andere Nachrichtenplattform für die iPod-Generation, will ich das hier lieber nicht breittreten. Und stattdessen über Newspond schreiben. Gestern in den USA gestartet verfolgt es einen etwas anderen, geradezu angenehmen Ansatz im Vergleich zu den dutzenden aus dem Boden sprießenden Mitmachportalen: es ist geradezu vorbildlich designed und bringt auf sehr unaufdringliche Weise verschiedene Nachrichtenquellen des Netzes unter einen Hut. Das ganze sieht nicht nur aus wie Mac OS X, sondern es bringt auch gleich dieselbe Hybris und Eitelkeit mit, mit der auch Apple-Chef Steve Jobs seine Prodüktchen vermarktet:

Aber sei’s drum, der Claim sagt eigentlich alles: no editors, no voting, just an AI news engine. Punkt. Nun, wie real diese künstliche Intelligenz ist, die sich die Nachrichten und deren Wichtigkeit von etlichen Webseiten zusammensucht, muss sich in den kommenden Monaten zeigen. Googlenews ist Newspond jedenfalls allein schon wegen der intuitiven Bedienung überlegen – jetzt müssten nur noch ein paar interessantere Nachrichtensparten hinzukommen (wen interessieren schon Computerspiele und Tech-News?) und eine Übersetzung in den deutschsprachigen Raum wäre natürlich auch toll – wobei: warum können die Perlentaucher-Leute sowas nicht mal für die Feuilletons programmieren? Geht nicht?
Vom Ansatz her ist Newspond jedenfalls die wirkliche Neuigkeit – Zoomer hingegen gewiss nicht.
Update: Da wahrscheinlich keiner wusste, was AI heißt, hat Newspond seinen Claim geändert: “No editors. No voting. Just a self-sufficient news engine.” Und der Protzer-Spruch ist auch verschwunden. Geht doch.